Es gibt wohl eine ganze Reihe vergessener Komponisten. Im Falle von Stanislaw Moniuszko jedoch ist das Erstaunliche, dass er in Polen nach wie vor zu den wohl bekanntesten Komponisten zählt, ja geradezu als Nationalkomponist verehrt wird.

Das mag wohl damit zusammenhängen, dass er sich nicht nur ausschließlich der polnischen Sprache bedient, sondern dass auch die Sujets seiner Opern einen polnischen Hintergrund haben. Das war im 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich, man denke nur an seinen tschechischen Zeitgenossen und Komponisten Bedrich Smetana. Gerade im über viele Jahrhunderte hinweg fremdbestimmten Polen wurde die Kunst zur Stärkung des Nationalbewusstseins eingesetzt. Und Stanislaw Moniuszko stand an erster Stelle.

Geboren wurde er vor 200 Jahren am 5. Mai als Landadliger in Ubiel, wurde in Minsk (heute Weißrussland) und Vilnius (heute Litauen) ausgebildet, studierte unter anderem auch in Berlin bei Rungenhagen, bevor er nach Warschau zog und dort über viele Jahre in der Oper als Chef-Dirigent (meist seiner eigenen Werke) arbeitete.  Er starb am 4.Juni 1872.

Er hinterließ neben seinem bekanntesten Werk HALKA (ähnlich wie Smetanas „Verkaufte Braut“ als Nationaloper gefeiert) weitere Opern z.B: Flis (Der Flößer) / Verbum nobile (Das Ehrenwort)  / Straszny Dwór  (Das Gespensterschloss) und Paria (die einzige Oper ohne polnischen Hintergrund).   Er schrieb Operetten, Kantaten, Ballette, geistliche Werke, Kammermusik und Klavierwerke. Einen großen Teil seines Schaffens nehmen seine über 300 Lieder ein.

Es lohnt, anlässlich seines Jubiläums sich mit diesem großartigen Komponisten zu beschäftigen. (Kann eine ganze Nation irren?) Aktuell  finden Sie in unserem Notenfachgeschäft im Rathaus eine große AUSWAHL seiner Werke in Ausgaben des polnischen Verlages PWM.

Ganz besonders empfehlen möchte ich noch das soeben erschiene Buch von Rüdiger Ritter:  

Der Tröster der Nation. Stanisław Moniuszko (1819–1872) und seine Musik